Das Narrenblättle gibt es nicht nur in Schömberg. In vielen Orten der schwäbische-alemannischen Fasnet gibt es ein Narrenblättle bzw. das Narrenblatt. So unter anderem in Furtwangen, Meßkrich, Rottweil, Schramberg und Wolfach.

Die Narrenblättle werden von den unterschiedlichsten Gruppen erstellt. In manchen Orten wird es traditionell vom Narrenrat erstellt, in anderen von extra gegründeten „Narrenblättle-Teams“. In Schömberg sind traditionell – wie kann es anders sein – die 20er für das Narrenblättle verantwortlich.

Inhalt des Schömberger Narrenblättle

Die Fasnet hat grundsätzlich etwas Lustiges, Freudiges. Wie in vielen anderen fasnächtlichen Aktivitäten ist Witz und Humor auch beim Narrenblättle ein wichtiger Bestandteil. Beim Maschgera oder auch während dem Bolanes beispielsweise sagen die Narren den Zuschauern oder auch anderen Umzugsteilnehmern auf. Häufig werden hierfür Geschichten und Fehltritte aus dem vergangenen Jahr verarbeitet.

So ist es auch beim Narrenblättle: lustige und häufig auch für den Betroffenen peinliche Geschichten werden meist in gereimter Form nochmals erzählt und den Schömbergern so mitgeteilt. Einige Geschichten sind natürlich auch schon vor der Fasnet städtleweit bekannt, doch sind vor allem die 20er sehr daran interessiert, dass die Geschichten erst am Fasnetsonndig zum ersten Mal zu Tage kommen.

Grundsätzlich können die 20er im Narrenblättle verarbeiten was und es gestalten wie sie es wollen. Trotzdem halten sich die meisten Jahrgänge seit vielen Jahrzehnten an eine Grundstruktur. Diese wird auch nicht angefasst. Selbst das Design vor allem der Titelseite bleibt jedes Jahr nahezu unverändert.

Titelseite

Auf der Titelseite gibt es neben einigen Infos zum Jahrgang, dessen persönlichen Jahrgangsspruch, der übrigens auch beim Ausrufen am Fasnetsonndig verkündet wird, zwei alten Fasnetfotos auch das Programm der Fasnet von Fasnetsonndig bis einschließlich Aschermittwoch.

Nachdem die Titelseite über Jahrzehnte sehr ähnlich war, hat der Jahrgang 1986 im Jahr 2007 eine komplett neue, modernere Titelseite erstellt. Inhaltlich hat sie sich jedoch kaum unterschieden. Schon im nächsten Jahr wurde jedoch wieder das alte „Design“ verwendet. Die letzte auffallende Änderung gab es zur Fasnet 2011: Da die Firma Lindner nicht mehr selbst druckte, konnten die alten Druckplatten mit den traditionellen Bildern nicht mehr verwendet werden. Daraufhin wurden zwei neue Bilder im Archiv der Narrenzunft Schömberg gesucht und werden seither verwendet.

Wirtschafts- & Vereinsnachrichten

Die ersten beiden Seiten sind meistens den zahlreichen Wirtschaften und (Einzelhandels-)Unternehmen, sowie den vielen Schömberger Vereinen gewidmet. Hier werden häufig kurze Meinungen oder Hinweise auf Fauxpas, seltener auch kurze, gereimte Gedichte veröffentlicht. Die tatsächlich öffentliche Wahrnehmung wird in diesem Bereich häufig sehr genau getroffen und genau weil es sich um knallharte Fakten handelt, ist es sehr amüsant – natürlich vor allem für Einheimische.

Narrenblättle-Geschichten

Den größten Teil nehmen i. d. R. die eigentlichen Geschichten ein. Hier werden lustige Anekdoten und peinliche Erlebnisse von Schömbergern – seltener auch von in Schömberg bekannten Auswärtigen – meist in Reimform erzählt. Ein Großteil der Geschichten ist dabei in breitestem Schwäbisch verfasst. Vor allem für Auswärtige und Kinder kann das interessant werden. Fakt ist aber: nicht-schwäbische Geschichten sind nur halb so gut!

Nicht immer wird aus dem Inhalt der Geschichte klar, um wen es geht. Die Geschichten sind daher mit einem Hinweis auf den Betroffenen signiert. Meistens werden dabei Abwandlungen des Namens verwendet. So werden Anfangsbuchstaben oder Silben von Vor- und Nachnamen vertauscht zum Beipsiel „Maniel Dustermann“ oder „Muniel Dastermann“ anstatt „Daniel Mustermann“.

Davor steht häufig noch ein Reim bzw. ein Ratschlag der 20er wie „Drum lass dir von uns 20er sagen…“. Nicht selten kam es schon vor, dass solche schlauen Ratschläge im Jahr drauf von den nächsten 20ern aufgegriffen wurden, um den Vorgängerjahrgang zu veräppeln.

In einigen Vereinen, Freundeskreisen oder auch Unternehmen gibt es die Tradition, dass Vereinskameraden, Freunde oder Kollegen, die im Narrenblättle namentlich erwähnt werden, eine Runde o. ä. schmeißen müssen.

Wussten Sie schon & Es ist nicht wahr

Was auch seit vielen Jahre immer wieder Verwendung findet, sind die Bereiche „Wussten Sie schon“ und „Es ist nicht wahr“. Hier werden meist lustige Fakten verarbeitet, die sich nur schwierig in einer großen Geschichte verarbeiten lassen.

So heißt es beispielsweise „Es ist nicht wahr, dass ich AKTION X gemacht habe, wahr aber ist, dass ich AKTION Y gemacht habe“. Oder eben „Wussten Sie schon, dass ich AKTION Z gemacht habe“. Auch diese Abschnitte sind mit einer Namenssignatur gekennzeichnet.

Individuelle Seiten der 20er

Wie bereits erwähnt, sind die 20er zu nichts verpflichtet. So finden sich meist in der Mitte individuelle Seiten der 20er. Es gab auch schon Abwandlungen von „Wussten Sie schon“ und „Es ist nicht wahr“ wie

  • Kleinanzeigen,
  • schwarzes Brett oder
  • Vermisstenanzeigen.

Auch die Vorstellung der 20er wird jedes Jahr sehr kreativ umgesetzt. So gab es bereits

  • Brettspiele,
  • Einzelvorstellungen der 20er,
  • alles mögliche in Verbindung mit Kinderbildern,
  • Fehlerbildspiele,
  • Rätsel,
  • Interviews,

und natürlich vieles, vieles mehr. Sehr selten wiederholen sich die kreativen Seiten der 20er. Und wenn, dann nur in der Art und Weise.

Letzte Seite

Die letzte Seite ist seit Jahrzehnten im Prinzip unverändert. Neben einem kleinen Impressum nimmt das Gruppenfoto der 20er fast die ganze letzte Seite ein. Wie in jedem Bereich versuchen auch hier die 20er sich einmalig zu präsentieren. Fast immer haben sie Frack und Zylinder an. Da das Narrenblättle meistens um die Jahreswende – je nach dem wann die nächste Fasnet ist – in den Druck geht, muss das Bild natürlich deutlich vorher geschossen werden. Nicht selten gibt es daher verwunderte Blicke, wenn jemand im September bei 30°C im Schatten in Frack und Zylinder durch’s Städtle läuft.

Beliebte Orte für das Foto sind das Narrenmuseum, der Bereich um die Alte Schule, die Narrenskulpturen und der Narrenbrunnen. Es gab aber auch schon Bilder aus dem Schwimmbad beim Schulzentrum („Schlichembad“), von der Inselplattform im Stausee, am Bootsverleih am Stausee, Orte mit der Schömberger Städtlekulisse als Hintergrund oder auch auf dem Plettenberg. Hier geben sich die 20er häufig sehr viel Mühe, um ein tolles Foto hinzubekommen, obwohl es nur in Schwarz-weiß zu sehen sein wird.

Farben

Das Narrenblättle gibt es in verschiedenen Farben, die die 20er bestimmen. Neben gut lesbaren Farben wie weiß, gelb, hellgrün und hellblau gibt es auch Versionen in rot, pink, grün oder blau. Hier gibt es nichts, was es noch nicht gab. Es gab sogar schon schwarze Exemplare.

Verteilung der Narrenblättle durch die 20er

Was das Narrenblättle vielleicht auch so besonders macht, ist, dass es nirgends zu kaufen gibt. Weder beim Narrenrat, noch in irgendeinem Schömberger Geschäft. Auch gibt es keine Online-Version, die sich jedermann als PDF runterladen kann.

Das Schömberger Narrenblättle ist ausschließlich bei den 20ern ab Fasnetsonndig nach der Narrenmesse um 9 Uhr morgens erhältlich. Wie lange die 20er Narrenblättle haben, ist schwer zu sagen. Es gibt Jahrgänge, die sind am Fasnetmedig bereits ausverkauft, andere haben am Fasnetzeischdig nachmittags noch einige Restexemplare. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!

Viele Schömberger holen sich ihr Exemplar bereits direkt nach der Kirche. Danach gehen die 20er meist in 2er-Gruppen durch’s Städtle.

„Narrablättle – ’s neischt vom Städtle!“

Die 20er – sofern sie genügend sind – decken ganz Schömberg ab und machen sich lautstark bemerkbar. Viele Narrenblättle werden auf der Straße verkauft, viele aber auch direkt an der Haustür oder bei den Schömbergern e dr Schtuba – also im Wohnzimmer. Nicht wenige warten sehnsüchtig auf ihr Narrenblättle.

Während die Männer eines Zwanzgerjahrgangs an den Hauptfasnetstagen Sonntag, Montag und Dienstag im Fransennarr bzw. Fuchwadel jucken, kümmern sich die Frauen um die Narrenblättle. Vor allem beim Umzug und dem Bolanes am Fasnetsonndig werden die druckfrischen Blättle an den Mann oder die Frau gebracht. Aber auch bei den vielen Umzügen am Fasnetmedig und – falls noch vorrätig – am Fasnetzeischdig sieht man die Frauen in Frack und Zylinder mit einem mehr oder weniger dicken Stapel Papier unter dem Arm.

Außerhalb der Umzüge gehen die 20er – abends auch wieder die Männer – durch die Schömberger Wirtshäuser und verteilen ihre Narrenblättle. Viele versehen ihre Narrenblättle mit einer persönlichen Widmung an den Empfänger. Vor allem spät nachts kamen so schon viele zu einem oder mehreren Exemplaren, obwohl sie keins mehr wollten. Die Widmungen erheitern die niedergeschlagenen Gemüter am kommenden Morgen zusätzlich!

Narrenblättle-Regeln

Im Narrenblättle gibt es eigentlich nur eine Regel: Fehltritte, die in der Zeit zwischen Generalversammlung der Narrenzunft Schömberg am 5. Januar und Aschermittwoch 0.00 Uhr passieren und/oder im direkten Zusammenhang zur Fasnet stehen, werden nicht verwendet.

Außerdem wird natürlich alles, was gegen die guten Sitten verstößt, sowie vulgäre Sprache usw. vermieden. Schließlich erfreut sich das Narrenblättle auch bei der jüngeren Generation größter Beliebtheit!

Der Bajass